Vortrag zum Thema „Medienkompetenz trifft Mentalgesundheit“ stößt auf großes Interesse

Großes Interesse zeigte sich bei der Veranstaltung „Medienkompetenz trifft Mentalgesundheit“, zu der der Kinderschutzbund Kreisverband Hockenheim und Umgebung gemeinsam mit dem FV 08 Hockenheim eingeladen hatte. Rund 40 Gäste kamen im neuen Clubhaus „Sanni’s“ zusammen – es war zugleich die erste gemeinsame Veranstaltung im Rahmen der vertieften Kooperation beider Partner.


Referentin Wiebke Stofer von der MUT-Kompetenz-Academy aus Speyer stellte dabei nicht die Frage nach dem „Wie“ der Mediennutzung in den Mittelpunkt, sondern nach dem „Warum“. Denn nur wer verstehe, weshalb Smartphones eine so starke Anziehungskraft auf Kinder und Jugendliche ausüben, könne auch sinnvoll damit umgehen.

 

Um dies greifbar zu machen, nutzte Stofer ein anschauliches Bild: Sie verglich das Smartphone mit einem Überraschungsei – „weil man nie weiß, was drin ist“. Genau diese Ungewissheit und die ständig wechselnden Inhalte machten den Reiz aus. Gleichzeitig seien Kinder dem oft noch schutzlos ausgeliefert, da ihr Gehirn in jungen Jahren noch nicht über eine ausgeprägte Impulskontrolle verfüge.

Zentral sei daher die Erkenntnis: „Jedes Mal, wenn wir zum Smartphone greifen, stillen wir ein Bedürfnis.“ Gerade bei Jugendlichen gehe es häufig um Zugehörigkeit, Orientierung oder das Gefühl, nichts zu verpassen.

 

Diese tieferliegenden Motive erklärte die Referentin anhand des Eisberg-Modells: Das sichtbare Verhalten – etwa das ständige Nutzen des Smartphones – sei nur die Spitze. Darunter lägen emotionale Bedürfnisse wie „Ich will dazugehören“, „Ich will etwas fühlen“ oder „Ich will gesehen werden“. Vor diesem Hintergrund werde deutlich, warum reine Regeln zur Nutzungsdauer oft zu kurz greifen. Viel wichtiger sei es, gemeinsam mit Kindern zu verstehen, was hinter dem Verhalten steckt. „Smartphones machen nur Sinn, wenn du weißt, wer du bist und was du fühlst“, betonte Stofer.

 

Eine tolle Veranstaltung mit bildhaften Beispielen fand im Clubhaus „Sanni`s“ des FV 08 statt (von links): Ralph Adameit (Vorsitzender Kreisverband Kinderschutzbund Hockenheim und Umgebung), Referentin Wiebke Stofer und 08-Jugendleiter Markus Zickermann
Eine tolle Veranstaltung mit bildhaften Beispielen fand im Clubhaus „Sanni`s“ des FV 08 statt (von links): Ralph Adameit (Vorsitzender Kreisverband Kinderschutzbund Hockenheim und Umgebung), Referentin Wiebke Stofer und 08-Jugendleiter Markus Zickermann

Ein weiteres Bild verdeutlichte ihren Ansatz: „Ein Smartphone ist nichts anderes als ein Hammer.“ Entscheidend sei, wie dieses Werkzeug eingesetzt werde. „Gebt ihr euren kleinen Kindern einfach so einen Hammer in die Hand?“ Mit dieser Frage appellierte die studierte Pädagogin und Gründerin der MUT-Kompetenz-Academy an die Verantwortung der Eltern, ihre Kinder nicht allein zu lassen.

 

Stattdessen brauche es Begleitung – ähnlich wie beim Fahrradfahren. Kinder müssten Schritt für Schritt lernen, sicher mit digitalen Medien umzugehen. Gleichzeitig seien auch Erwachsene gefordert: „Auch wir müssen das Fahrradfahren in der digitalen Welt neu lernen“, so die Referentin sinngemäß.

 

Konkrete Ansätze sah Wiebke Stofer vor allem im Alltag: bewusster Umgang mit dem eigenen Smartphone, feste Ablageorte statt ständiger Verfügbarkeit und vor allem das Gespräch mit den Kindern. Persönlicher Austausch könne durch keine App ersetzt werden – auch nicht durch zunehmend genutzte KI-Anwendungen.

 

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Eltern ähnliche Herausforderungen erleben – etwa durch die zunehmende Verlagerung von Kommunikation in Schule und Freizeit auf digitale Kanäle. Gleichzeitig wurde der Wunsch laut, Medienbildung stärker und früher im Bildungssystem zu verankern. Auch die Veranstalter zogen ein positives Fazit. Jugendleiter Markus Zickermann vom FV 08 Hockenheim sowie der Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Ralph Adameit, bezeichneten den Abend als „einen sehr spannenden und inspirierenden Vortrag, der zum Nachdenken anregt“.

 

Die Veranstaltung markierte nicht nur einen gelungenen Auftakt im neuen Clubhaus „Sanni’s“, sondern auch einen weiteren Schritt in der Zusammenarbeit zwischen dem Fußballverein und dem Kinderschutzbund – mit dem gemeinsamen Ziel, Eltern und Kinder im Umgang mit digitalen Medien besser zu begleiten.